Tage in den Alpen
Home
Die Autoren
Die Bücher
Tage am Gardasee
Tage in Hellas
Tage in den Alpen
Tage auf Teneriffa
Sellaspitzen_600.jpg (20573 Byte)

Tage in den Alpen

Allgäu - Großglockner - Dolomiten


Inhalt:

Was macht den Alltag so alltäglich - warum in die Ferne schweifen?

Im Allgäu
   Ein Anreise voll der guten Hoffnungen
   Aus grünem Tal zu schneebedeckten Gipfeln
   Enttäuschung am Vormittag - Vergnügen am Nachmittag
   Das Unwetter im Gebirge und eine abenteuerliche Fahrt
   Die kleinen Freuden im Dauerregen
   Das trockene Ende einer feuchten Reise

Intermezzo I

Am Großglockner
   Eine Reise in den Sonnenschein
   Glocknerfahrt zur Wetterscheide

      Das Hochtor und die Scheitelstrecke
       Die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe

   Auf die Edelweiß-Spitze und ins Mölltal
   Der Tauernkönig oder die Pracht des Großglockners
   Umzug von den Hohen Tauern in die Dolomiten
   Bewegte achtundvierzig Stunden

      Aufstieg im Sonnenschein
       Absturz in eine böse Nacht
       Odyssee zum Zahnarzt

   Schon wieder auf dem Heimweg

Intermezzo II

In den Dolomiten
   Die klassische Route - über den Brenner ins Pustertal
   Rund um den Monte Cristallo
   Auf der Großen Dolomitenstraße
   Das Pragser Tal im Regen
   Eine ungewöhnliche Fahrt - am Ostrand der Dolomiten
   Schlechtes Wetter und doch vier Pässe
   Abschied von den Drei Zinnen
   Nach Hause in den Winterschlaf

Literatur



Was macht den Alltag so alltäglich - warum in die Ferne schweifen?

Der Mai ist gekommen, und uns zieht's wieder mal mächtig aufs Land hinaus. Eigentlich ist das nichts Besonderes und kaum mehr erwähnenswert, doch gibt es auch diesmal Gründe zu nennen, die unserer Abreise ein klein wenig den Charakter einer Flucht verleihen.
Verkneifen wir uns - wenn auch nur mühsam -, auf den vergangenen Winter zu schimpfen, unsere Antipathie gegen Kälte, Schnee, Eis und ähnliche Widerwärtigkeiten ist schließlich allseits bekannt. Nein, ein ganz anderes Ereignis hat unseren Zorn erregt und muß hier unbedingt erwähnt werden. Damit leiten wir unsere Erzählung auch gleich mit heftigem Geschimpfe auf den Alltag ein und schaffen damit einen augenfälligen Kontrast zu den Annehmlichkeiten des Reisens, was dieses in um so schönerem Licht erscheinen läßt.
Wohl an: In der Hauptstraße unseres Wohnvororts wird die Kanalisation modernisiert, und die Straße vor unserem Haus dient derzeit als Umleitung. Dadurch erfahren wir ebenso lautstark wie leidvoll, was man alles auf der Straße in einen kleinen Vorort hinein- und natürlich auch wieder herauskarren kann. Eine Aufzählung füllte Seiten und wäre ermüdend, ein Beispiel kann ich mir aber nicht verkneifen:
So ist alleine unser kleiner Friedhof am Rande der Stadt die Ursache eines heftigen und der Ruhe des Ortes gar nicht angemessenen Verkehrs. In nur einer Stunde habe ich beim Morgenkaffee drei Blumenlastautos - zwei Zehntonner und einen fünfachsigen Vierzigtonner aus Holland - gezählt, alle drei gleich zweimal, hin und zurück. Bei so viel Aufwand für nur einen Friedhof, kann man leicht ermessen, wieviel Lärm und Gestank die Versorgung des bescheidenen Geschäftslebens unseres kleinen Vororts verursacht.

Aber da ist ja nicht nur der Verkehr, der lärmt und stinkt: Die Mode umweltfreundlicher Gartengestaltung der frühen neunziger Jahre ist längst wieder passe. Bäume werden munter gefällt, Sträucher auf ein Minimum beschnitten, und der englische Rasen feiert fröhliche Urstände. Wenn einer unserer Nachbarn auch nur ein Gänseblümchen entdeckt, wirft er seinen schweren Rasenmäher an und fegt donnernd über die unschuldige Pflanze. Zwei alte Männer haben vor kurzem das Baum- uns Buschwerk eines ganzen Straßenzugs in nur einer Woche zu Spänen zerschreddert - man konnte ihnen die Freude bei dieser Arbeit geradezu ansehen. Ach ja, noch etwas: Da gibt es sogar zischende Geräte, die einen Hochdruck-Wasserstrahl ausstoßen, mit dem man Zäune, Türen, Gehwege und so weiter sterilisieren kann. Die Erfindungen eines PS-starken Wühlmaus(er)bohrers oder eines zivilen Flammenwerfers gegen Glatteis stehen allerdings noch aus. Sie werden wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.
In der Summe kann man das wohl kaum mehr als das geschäftige Werkeln fleißiger Vorortbewohner bezeichnen, da rumoren wohl eher - für uns - einfach Narren. Obelix würde treffend bemerken: "Die spinnen, die Städter."
Aber Schluß mit dem Geschimpfe - man weiß jetzt immerhin um die Unbilde, vor denen wir so gerne aus der Stadt fliehen. Nur noch eine kurze, abschließende Bemerkung: Unser kleiner Vorgarten ist eine winzige Insel wuchernder Natur inmitten akuratester Aufgeräumtheit, was sich längst bei allen Vögeln im Süden Nürnbergs herumgesprochen hat - sie besuchen uns zuhauf. Uns gelüstet jetzt im Frühjahr jedoch nach mehr an solch halbwegs unvergewaltigter Natur. Uns treibt es hinaus aus dem städtischen Gewusel, einfach aufs Land, wo es weniger hektisch und sicher gemütlicher zugeht.
Und wir wollen diesmal wirklich hoch hinaus. Die Großglockener Hochalpenstraße ist unser Ziel, und da geht's alleine mit dem Auto bereits in Höhen von weit über zweieinhalbtausend Meter.
Warum aber gerade diese hochalpine Panoramastraße? Natürlich reizt uns die enorme Höhe, es gibt schließlich nur noch zwei Paßstraßen in den Alpen, die ein paar Meter weiter hinauf führen, das Stilfser Joch (2757 Meter) und den Col-de-l'Iseran (2770 Meter). Den entscheidenden Impuls für diese Reisepläne gab jedoch ein Buch, die spannende Erzählung von der Planung und dem Bau dieser Straße von Georg Rigele. Zum ersten Mal wurde uns bei dieser Lektüre bewußt, welche Fülle an technischen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt politischen Problemen sich vor einem solchen Projekt auftun. Und doch sind es meist nur einige wenige Menschen - oft ganz unterschiedlichen Naturells - die letztlich hinter ihrer Überwindung und der Verwirklichung stehen. Die spannende Lektüre hat uns gefesselt und neugierig gemacht, und wir wollen das Bauwerk - Ergebnis jahrzehntelanger Bemühungen - auch mal vor Ort in all seiner Pracht bewundern und seinen Schöpfern Franz Wallack und Franz Rehrl unsere Referenz erweisen.
Nun haben wir aber einen besonders schneereichen Winter hinter uns, und in diesen Höhen wird das weiße, kalte und glatte Zeugs noch bis lange ins Frühjahr hinein herumliegen - bäh! Auf eine Internet-Anfrage hin hat man uns aus Heiligenblut geraten, eine solche Reise nicht vor Ende Juni anzutreten. Bis dahin dauert's uns aber viel zu lange. Wir stehen bereits seit April in den Startlöchern und können jetzt unsere Frühlingsgefühle und die daraus erwachsende Ungeduld nicht mehr länger zügeln. Schieben wir doch einfach eine Spritztour ins Voralpenland ein - dorthin wo es nicht ganz so hoch ist -, genießen das alpine Frühlingserwachen und üben so schon mal ein wenig für unser eigentliches Ziel.

Deshalb soll diesmal unsere Erzählung gleich von zwei Reisen berichten, und letztlich werden - wie das Leben so spielt - sogar drei daraus. Manchmal können eben auch widrige Umstände höchst angenehme, wenn auch ungeahnte Folgen haben, der geneigte Leser möge sich überraschen lassen. Alle drei Reisen haben eigentlich außer dem gemeinsamen Ziel, den Alpen, recht wenig miteinander zu tun haben. Und dennoch gehören sie zusammen wie Drillinge. Wir haben immer nur das eine Motiv, weg von städtischen Alltag und seinem Getriebe, hin zu mehr ländlicher Stille und hinaus in die schöne Natur. Es ist die Sehnsucht nach bunten Frühlingsblumen auf Wiesen und Matten, friedlich grasenden Kühen, weiten Feldern und dunklen Wäldern ... und die pure Lust auf genüßlich schweifende Blicke hinunter in ferne Täler oder hinauf zu hohen Gipfeln ...
Über unsere genaueren Pläne bezüglich des Großglockners - und was danach noch folgte - berichte ich in kurzen Kapiteln zwischen den Reisen. Vorbereitungen für das Alpenvorland gibt es eigentlich keine. Wer uns kennt, wird schon wissen wo's da hin geht - natürlich ins Allgäu. Wir warten gerade mal die Eisheiligen ab, fragen telefonisch in einem uns wohlbekannten Hotel an, ob die Kühe auch schon auf der Weide sind, und versichern uns eines Zimmers - und dann kann's losgehen.

© Baldur und Hella Markert, Nürnberg, 2000
ISBN: 3-8311-1232-0
Bezugsquellen: der klassische Buchhandel oder der Internet-Buchhandel


[Home] [Die Autoren] [Die Bücher] [Tage am Gardasee] [Tage in Hellas] [Tage in den Alpen] [Tage auf Teneriffa]

.